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Wie die Mutter so die Tochter: Karin Siegle-Kvarnström und Valerie Siegle sind neben Mutter und Tochter auch noch Geschäftspartnerinnen. Und haben zum Muttertag eine Überraschung.

Teaser-VonDeska

Passend zum Muttertag habe ich vor einigen Tagen mit zwei Hamburger Perlen gesprochen, die nicht nur Mutter und Tochter sind, sondern mit Selection Gustavia gemeinsam ein Unternehmen aufbauen. Warum das gar keine so schlechte Idee ist, erzählen Valerie Siegle und Karin Siegle-Kvarnström hier in einem sehr inspirierenden Interview. Damit ihr die beiden ein bisschen besser kennenlernt, ein Kurz-Umriss: Karin Siegle-Kvarnström und ihre Tochter Valerie leben in einer bunten Patchwork-Familie mit einem Innerhalb Circle von 17 Personen. Karin hat drei Kinder, 2 davon aus erster Ehe (Valerie ist die Älteste), ein Sohn aus zweiter Ehe, sowie 2 Patchworkkinder, die allesamt verteilt in England, Luxemburg, Schweden und Singapur leben. Divers wird in dieser Familie ganz groß geschrieben: sei es, weil die Kinder aus drei Generationen stammen oder weil ein bunter Mix aus englisch, schwedisch und deutsch gesprochen wird.
Karin Siegle-Kvarnström hat 20 Jahre weltweit als fast einzige Frau als Partner in einer großen Personalberatung gearbeitet, bevor sie mit 48 Jahren ihre eigenen Unternehmen gründete, darunter ein Female Executive Programm, die von Deska Town- und Countryhouses, sowie Selection Gustavia.
Valerie hat jahrelang im Ausland verbracht und wollte fast gar nicht wiederkommen, bis sie, gemeinsam mit ihrer Mama, Selection Gustavia gründete.
Im Gespräch erzählen sie, wie es ist als Mutter-Tochter-Gespann eine Firma zu gründen, worauf es ankommt beim Unternehmensaufbau – heute wie vor 20 Jahren – und berichten von dem sehr spannenden Projekt Anna & Cie, ein Leadership Training für Frauen in Führungspositionen, das bereits ins 10. Jahr geht und aus dem bereits über 100 Frauen hervorgegangen sind, wovon die meisten 1-2 Karriereschritte gemacht haben.

 

Karin, Valerie, wie schön, dass ihr euch die Zeit genommen habt. Ich freue mich, dass wir heute sprechen können und ihr uns einen Einblick in eurer Unternehmertum gebt. Karin, du hast bereits eine Menge Arbeitserfahrung hinter dir, hast als eine von 4 Frauen weltweit als Partnerin & Gesellschafterin in einer Personalberatung gearbeitet, in dieser Zeit drei Kinder auf die Welt gebracht um dann mit 48 Jahren nochmals komplett neu gegründet. Und jetzt die allseits beliebte aber gehasste Frage: wie hast du das gemacht?
Ich habe von Anfang an in gute Mitarbeiter investiert. Als Valerie geboren wurde, Anfang er 90er, gab es im Kindergarten noch keine Ganztags-Betreuung oder Krippe. Der Kindergarten war ab 3 Jahren und bis 12 Uhr. Weil ich damals Partnerin werden wollte, konnte ich es mir nicht erlauben, in Teilzeit zu arbeiten. Und mir hat mein Job immer Spaß gemacht. Ich bin gerne Mutter, habe aber auch ein anderes Leben.
Wir hatten eine Haushälterin und immer englische Au Pairs, eine davon wohnte auch immer bei uns. Ich hatte keine Eltern in der Nähe, da war es wichtig, ein Netzwerk zu haben. Bei langen Auslandsreisen an die Westküste der USA, ist dann meine Mutter für eine Woche gekommen.
Und ich habe in eine Putzfrau investiert. Um Zeit zu haben. Das war ein gutes Invest, dann ging meine Karriere auch weiter. Vor allem, weil ich nicht putzen wollte, wenn ich zuhause war. Die Zeit zuhause, die war 100% für die Kinder. Wir haben, gebastelt, gemalt, etc.. da gab es keine Hobbies oder Freunde. Für eine gewisse Zeit bestand mein Leben aus Job und Kindern. Das ging gar nicht anders. Wenn ich auch noch den Anspruch gehabt hätte, ein Hobby oder Freunde zu pflegen, das hätte nicht funktioniert.

Hast du direkt wieder in Vollzeit gearbeitet?
Meistens nach dem 4. Monat wieder und auch bis an den Stichtag. Bei Valerie sogar bis 10 Stunden vor Geburt. Und auch immer in Vollzeit. Das ging nicht anders: ich wollte Partner werden. Das war meine Karotte vor der Nase. Das gab mir auf der anderen Seite aber auch finanzielle Möglichkeiten.
Aber mir ging es auch immer gut, ich hatte Spaß an meinem Job und für mich war es vor allem eine mentale Frage.
Als ich dann Partner wurde, hatte ich die Freiheit auch mal von Zuhause zu arbeiten. Ich hatte einen tollen Chef & Mentor, der gesehen hat, dass ich die Vorleistung gebracht habe. Und der mir dann auch Vertrauen geschenkt hat.

Wie war das für dich, Valerie?
Das war eine schwierige Zeit, meine Mutter hat sich parallel von meinem Vater getrennt. Wir wohnten in Bargteheide, meine Mutter musste also jeden Morgen quer durch die Stadt. Aber sie war auch die, die zu den Elternabenden ging. Normalerweise waren da nur die Väter.

Ihr seid eine unglaublich internationale Familie. Woher kommt das?
Karin: Ich habe mich von Anfang an gefragt, was das Wichtigste ist, was man in Kinder investieren muss. Für mich war das Bildung & Internationalität, diese Neugier und das Interesse, auf andere Kulturen zuzugehen und sich in ihnen bewegen. Die Welt betrachten, Neues aufzunehmen. Das kann dir keiner mehr nehmen. Wenn du einmal woanders gewohnt hast, kann man sich auch Krieg gar nicht vorstellen.
Valerie: Wenn man einmal den Schritt ins Ausland gewagt hat, öffnen sich so viele neue Türen. Ich bin 10 Jahre im Ausland geblieben, weil ich das so toll fand und war während meines Studiums in England, USA, Holland, Lettland, Luxemburg. Das würde ich meinen Kindern ebenfalls raten, das macht die Sache interessanter. In Europa kann man ja auch ganz easy umziehen, du brauchst gar keine Visa, nichts!
Karin: Ich habe immer international gearbeitet, was ein Quantensprung ist für meine Familie. Ich komme aus Ost-Westphalen, habe erst eine Ausbildung bei einem Möbelausstatter gemacht, danach Wirtschaftswissenschaften studiert, war ein halbes Jahr in England, zum Studium in der Schweiz und in Sierra Leone.

Bildung ist, die Welt zu betrachten, neugierig zu sein und sich mit anderen Kulturen auseinanderzusetzen.

Woher kommt dieses Unternehmertum, wenn dein Schritt aus Ost-Westphalen als Quantensprung gesehen wurde?
Nach dem Studium war ich als Trainee bei der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) im Bereich Entwicklungshilfe, und bin dann Assistentin vom Vorstandssprecher geworden. Weil ich dann etwas Neues brauchte und unternehmerischer arbeiten wollte, bin ich erst bei einer Strategieberatung gewesen, später dann von einer Personalberatung angesprochen worden. Da war ich dann 20 Jahre, habe international bei Familienunternehmen die Top Positionen besetzt, bin Partner geworden und habe sehr gutes Geld verdient. Das war aber eine Vorreiterrolle. Es gab europaweit nur 2 Frauen, weltweit vielleicht 4 in dem Bereich. Ich habe gelernt: Man muss seine Passion finden. Etwas, das einem richtig Spaß macht. Aber man muss auch gestalten können wollen. Wenn man auf dem Fahrersitz ist und seine Stärken leben kann, das ist etwas Großartiges.

Und wie kam es zum Unternehmen?
Ich bin irgendwann rausgegangen, habe meine Anteile verkauft. Natürlich habe ich mich gefragt: was kann ich außer Beratung? Kommen die Leute zu mir oder zum Unternehmen? Ich habe dann das gemacht, was ich gerne mache und in die von Deska Townhouses investiert. Irgendwann kamen die alten Kunden dann doch wieder, die habe ich dann weiter beraten, das hatte mir ja Spaß gemacht.
Valerie: Als meine Mutter sich selbständig machte, da war ich weit weg und nur alle 3 Monate zu Hause. Ich war Anfang 20. Wir dachten alle, etwas crazy, mit 48 nochmal neu gründen, zumal sie ja nicht vom Fach ist. Aber wir dachten auch, dass sie schon wissen wird, was sie tut, bisher ist nie etwas schief gegangen.

Manchmal muss man schon ein paar Eier haben, um sowas zu machen.

Karin: Letztlich hatte ich nie den Anspruch, das alles selber zu können. Ich habe mir immer die richtigen Leute gesucht. Ich sehe mich als Ideengeber, als Visionär. Das Operative können andere viel besser als ich. Den Anspruch habe ich gar nicht. Aber natürlich haben wir auch schon geputzt, wenn Not am Mann war. Valerie hat in den Semesterferien ihr Geld damit verdient, Ferienwohnungen zu putzen.
Inzwischen haben wir Investments in unterschiedlichen Aktivitäten, z.Bsp. Studentenapartments in Lüneburg, die von Deska Townhouses und Countryhouse, Anna & Cie, sowie Selection Gustavia, das Valerie dann gegründet hat. Letztlich geht es aber darum, sein Lebenskonzept selbst zu basteln. Um das Selbermachen und Ärmelhochkrempeln.

Seit wann arbeitet ihr zusammen und wie kam es zur Zusammenarbeit?
Karin: Mein Mann und ich hatten die Idee, weil wir in so vielen langweiligen Hotels gewohnt haben. Und es mit den von Deska Houses besser machen wollten. Die Kunden in den Häusern haben dann gefragt haben wo sie was herbekommen. So ist Selection Gustavia entstanden.
Valerie hat dann 2016 gegründet.
Valerie: Ich hatte keine Ahnung von Online, habe mir alles selbst erarbeitet. Als Unternehmerstochter hast du es auch immer extra schwer, weil du dich erst einmal beweisen musst. Also habe ich mir die Kompetenz angeeignet. Der Weg dahin war sehr weit, aber inzwischen bin ich der Pro wenn es um online geht.
Meine Mutter macht den Einkauf, ich bin nicht Zielgruppe, das macht vieles einfacher, wenn sie mit draufschaut.
Karin: Aber du hast inzwischen das Auge hast die Firma im Griff. Ich würde sie es auch alleine machen lassen. Ich bin nur zum Verifizieren da und bringe neue Idee von meinen Reisen mit. Valerie bringt dann wiederum neue Ideen und Absatzkanäle. Aber sie könnte das auch alles alleine machen. Da bin ich mir sicher.

Valerie, wie ist es mit der eigenen Mutter zusammenzuarbeiten? Muss man sich nochmal neu freistrampeln?
Gar nicht vor meiner Mutter, eher von der Außenwelt. Vor drei Jahren, da war ich noch die Tochter von der Chefin, als wäre Selection Gustavia mein Hobby. Aber wir sind keine Wohlfahrtsorganisation, wir wollen schon Business machen. Inzwischen ist die Wahrnehmung auf den Messen eine andere. Kompetenz aufbauen hilft da sehr, gerade in einer Welt, in der, wenn es um Programmierung geht, immer noch sehr von Männern dominiert wird. Da muss man sich durchsetzen.

Wie hast du das wahrgenommen, Karin? Hast du mitbekommen, das Valerie zu kämpfen hatte?
Na klar, das habe ich schon gesehen. Als Eltern will man immer, dass es den Kindern besser geht als dir selbst. Und ich habe mich schon gefragt, ob ich ihr das zumuten kann. Ich sag ihr immer, „Nimm dir genug Freizeit“ – da schaue ich als Mutter und Arbeitgeber drauf.
Aus Profisicht schaue ich aber auch darauf, wie die Firma sich skalieren lässt, wie weit man es wachsen lassen kann oder ob Valerie im industriellen Umfeld eine viel größere Karriere machen könnte. Irgendwann kommt dann aber der Punkt of no return, da kann man nicht mehr zurück.

Hat sich euer Verhältnis verändert, seitdem ihr Geschäftspartner seid?
Karin: Ja. Wir haben früher gestritten. Jetzt ziehen wir an einem Strang, das läuft super.
Valerie: Viele fragen, ob das nicht grauenvoll ist, mit der eigenen Mutter zu gründen. Ich finde Nein! Denn sie denkt eben auch als Mutter, nicht nur als Unternehmerin. Im Zweifel wird sie immer dich vor die Firma stellen.

Ich finde die Idee mit der Mutter zu gründen, gar nicht schlecht.

Karin: Und man lernt sich viel besser kennen. Wir haben nach Messen schon abends zusammen im Bett gelegen mit Chips und einem Glas Rotwein, weil wir kein Restaurant fanden. Oder haben Flüge verpasst, mussten Unterwäsche und Make Up nachkaufen, in der Pampa ein Reservehotelzimmer buchen – das schweißt zusammen.

Seid ihr euch ähnlich?
Valerie: Ich bin gebrandmarkt von meiner Mutter, sie war mein Vorbild, die einzige Frau zu Hause.
Karin: Die Werte sind dieselben: Großfamilie, keinen zu verlieren, alle zu integrieren. Dass sich die Geschwister treffen und eng zusammen sind, empfinde ich als wichtig. Valerie ist zum Beispiel die Verbindung zu den beiden Brüdern.

Valerie, gibt es etwas, das du genauso machen würdest wie deine Mama?
Ja, immer arbeiten, weil es mir Spaß macht. Und es muss auch Spaß machen, häufig ist Arbeit ja auch Leben. Anders kann ich es mir gar nicht vorstellen.
Außerdem hat sich meine Mutter einen Mann aus dem Ausland gesucht, das würde ich auch immer wieder machen. Mein Freund kommt aus Luxemburg, seine Eltern wiederum kommen aus Luxemburg und Frankreich.

Und was machst du bewusst anders?
Karin: dein Dresscode!
Valerie: Das stimmt, aber du kommst ja auch aus der Bank, da war immer Strumpfhose und Kostüm angesagt. Aber, nein, es gibt nichts, was ich bewusst anders machen würde.

Karin, du hast ein großartiges Programm Anna & Cie – bitte erzähle doch kurz davon.
Anna & Cie ist eine Non-Profit Organisation, in der wir jährlich 10 Frauen aufnehmen, 2 davon sogar pro Bono (Chefärztinnen, NGO-Mitarbeiterinnen, Museumsdirektorinnen) um ihnen ein Female Executive Training zu geben. Das Programm richtet sich an Frauen in Festanstellung und erfordert eine gewisse Unternehmensgröße und Komplexität an Aufgaben. Bei dem Training geht es um Führung und Unternehmertum. Ziel ist es, dass die Frauen im selben Unternehmen bleiben und den nächsten Karriereschritt machen.
Das Programm besteht aus 4 Modulen (3 in Deutschland, eins in Schweden) und startet mit der Selektion der Teilnehmerinnen: es gibt immer nur eine Teilnehmerin aus jeweils einem Unternehmen. Eine Position wird nie doppelt besetzt. Jede Teilnehmerin bekommt einen Mentor (immer ein Vorstandsvorsitzender) an die Seite gestellt, der sie auch über die Zeit hinaus bei Anna & Cie begleitet.
Die Frauen sind meist zwischen Ende 30 und Anfang 40, über die Hälfte haben kleine Kinder und arbeiten in Vollzeit. Wir hatten sogar schon Frauen, die das erste Kind im Programm bekamen, am Ende wieder voll gearbeitet haben.

In meinem Job als Personalberaterin habe ich mich damit beschäftig, wer wo erfolgreich ist, warum manche Unternehmenskulturen erfolgreich sind und warum manche Frauen in Positionen katapultiert werden, um nach 2 Jahren wieder weg vom Fenster zu sein. Das hat mich genervt und deswegen habe ich Anna & Cie gegründet.
Es ist bewiesen, dass Mädchen in Naturwissenschaften mit besseren Noten nach Hause kommen, wenn sie unter Mädchen lernen. Das hängt damit zusammen, dass sie sich in der Vor-Pubertät leicht von Jungs beeindrucken lassen, die mehr Ellenbogen zeigen. Mädchen halten sich zurück und stellen weniger Fragen, überlassen den Jungs den Vortritt. Dafür machen sie das, was sie können, dann sehr gut.

Vielleicht sollte ich die Schulwahl für meine Mädchen nochmals überdenken… Valerie – für Selection Gustavia sucht ihr händeringend Leute. Wenn ich nicht gerade das foodlab aufbauen würde, ich würde mich bewerben. Was sucht ihr genau?
Wir suchen dringend Werkstudenten, sowie jemanden, der sich um Online Marketing & Social Media kümmert.
Wer mal schnuppern will, unabhängig, ob auf Jobsuche oder nicht: vom 9.-18.05. veranstalten wir im Ivy House an der Klosterallee im Gartenhaus, einen Pop Up Store.

Herrlich! Aber ihr habt noch eine Überraschung für Mama & Tochter…
Genau. Wir verlosen zum Muttertag eine Nacht in einem der Von Deska Townhouses für ein Mama-Tochter-Gespann. Teilnehmen am besten hier auf dem Blog mit einer schönen gemeinsamen Anekdote. Teilnehmen kann man bis zum 15.05., der Gewinner wird per Mail benachrichtigt. Eine Barauszahlung ist ausgeschlossen, der Rechtsweg auch.
Wir wünschen allen Müttern einen tollen Muttertag, drücken allen Teilnehmerinnen die Daumen und freuen uns auf viele neue Gesichter.

1 Comments
  • Marion

    Antworten

    Hallo Zusammen! Ich würde mit meiner Mama (54) gerne eine Nacht im Townhouse verbringen. Sie ist aus beruflichen Gründen nach Bremen gezogen – und es ist ihr sehr schwer gefallen, weil Sie mich und Ihre Enkeltochter (5) somit zwangsläufig seltener als vorher sieht. Aber Ihr Mut hat sich gelohnt!Sie ist sehr glücklich in Ihrer neuen Firma und wir sind stolz auf Sie.

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